Jeeser

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Der Ortsteil Jeeser hat ebenfalls etwas für Naturfreunde zu bieten. Neben einem großen Waldgebiet mit idyllischen Wegen gibt es hier ein Kalkflachmoor. Auch der Jeesersche See ist floristisch sehr wertvoll. Bedingt durch starke Wasserspiegelschwankungen bietet er eine reichhaltige und sehr interessante Teichbodenflora.Vom Bahnhof aus erreichen Sie in kürzester Zeit Greifswald oder Stralsund.

 

Aus der Greifswalder Zeitung vom 24. März 1934

 

Geschichtliches und Sagenhaftes aus Jeeser von Otto Wobbe

 

Der Name Jeeser deutet auf alten slawischen Ursprung hin. Das slawische Wort jezor bedeutet „Landsee" und lässt daraus schließen, dass die Siedlung an einem See erfolgte und tatsächlich befindet sich bei dem Orte Jeeser noch der Rest eines einst größeren Landsees, im Volksmunde "Grot- un Lütt- Saalsbrauk" genannt. Nach früheren Vermessungen aus den Jahren 1691 und 1703 bedeckte der See eine Fläche von 13 pommerschen Morgen und 105 Ruten. Der Ort Jeeser -in der Landestabelle von 1708 „Geser" und „Geiser" geschrieben- wird urkundlich zuerst im Jahre 1276 genannt, als der Ritter Johannes von Gristow die dortigen Verhältnisse ordnete.

 

Im Jahre 1384 verkaufte Herzog Wartislaw 6. die fürstliche Einnahme aus diesem Gut an die Stadt Greifswald. Im Jahre 1418 bestätigte Herzog Wartislaw 9. der Stadt und dem dortigen Heilgeisthospital das Eigentum aller ihrer Besitzungen, darunter auch die Ortschaft Jeeser, so dass also damals schon Stadt und das Hospital Eigentümer des Gutes waren. Der genaue Zeitpunkt, an dem Jeeser im ganzen Umfange städtischer Besitz geworden ist, ist nicht mehr ersichtlich. Jeeser war in früheren Zeiten in Bauernhöfe eingeteilt, von denen Stadt und Hospital Pacht und Naturallieferungen empfingen. Damals sollen 10 Höfe, teils „volle" teils „halbe", auf 9 Landhufen verteilt gewesen sein. Im Jahre 1632 werden nur 4 Vollbauern, 1 Halbbauer und 1 Kossat aufgezählt.

Der 30jährige Krieg und der brandenburgisch-schwedische Krieg zogen auch Jeeser in Mitleidenschaft, so dass die Höfe teilweise wüst und verödet geworden sind. Im Jahre 1786 finden wir in Jeeser 5 Bauernhöfe und 3 Katenleute. Von diesen Bauernhöfen hat jeder außer Pacht, Fuhren und Wegebesserungen zu liefern gehabt: „An den Ratsstuhl 2 Deputatsgänse, 2 Scheffel Hafer, 2 Hühner; an das Hospital 3 Rauchhühner, an Dienergebühr 2 Scheffel Hafer, 1 Scheffel Roggen, 3 Pfund Flachs, ¼ Jimm Stroh, in der Pachtgasterei 24 Schilling, an Maigeld 12 Schilling". Nebenbei bemerkt war damals Pächter des einen Hofes der Bauer Heinrich Ahlwardt, dessen Nachkommen an der Greifswalder Universität berühmte Professoren wurden.

 

Im Jahre 1691 wurde die Größe der Jeeserschen Feldmark mit 904 pommerschem Morgen und Ruten festgestellt, im Jahre 1819 errechnete Kommissionsrat Quistrop ein Areal von 924 pommerschen Morgen und 233 Ruten, im Jahre 1855 nahm Landmesser Berlin im Auftrage der Stadt eine Neuvermessung vor, deren Ergebnis 2402 preußische Morgen und 162 Ruten war. Nach pommerschem Maß umgerechnet, stellte sich gegenüber der Quistropschen Vermessungen ein Unterschied von 30 Morgen heraus, deren Ursachen nicht ergründet werden konnte.Der Wald von Jeeser bestand vor 1838 aus einzelnen, zerstreut liegenden Stücken, die man in diesem Jahre eingehen ließ und dafür ein zusammenhängendes Terrain mit Kiefern und Laubholz aufforstete, dass auch das Torfmoor einschloss, und 521 Morgen und 76 Ruten bedeckte. Eine besondere Försterei bestand damals nicht, aber es wurde ein Areal von 17 Morgen und 172 Ruten neben der Forst für die Anlage eines Förstereigehöftes reserviert.Dieses Projekt wurde 1858 ausgeführt und ein Hilfsjäger angestellt. Das Recht der Jagdausübung hatte der Stadtförster bzw. der Hilfsjäger in Jeeser.

 

Auf dem Friedhof in Kirchdorf befinden sich 17 Kriegsgräber und eine Gedenktafel.
Kurz vor Kriegsende ereignete sich folgendes:

In ein militärisches Ausbildungslager im Wald bei Jeeser sind Jungen aus Greifswald im Alter von 14 - 18 Jahren abkommandiert.
Sie sollen im Ernstfall für die Verteidigung der Stadt Greifswald eingesetzt werden.


Am Morgen des 26. April 1945 können die Jungen wählen, an welcher Ausbildung sie teilnehmen. An diesem Tag soll an der Panzerfaust und am Maschinengewehr ausgebildet werden.
Kurz nach Beginn der Unterweisung ist ein ohrenbetäubender Knall zu hören.
Der 19-jährige und schon kriegsbeschädigte Ausbilder hatte den Jungen die Funktion der scharfen Panzerfaust erklären wollen. Dabei kommt es zur Auslösung des Zünders.
(An scharfen Waffen auszubilden, geschah auf Befehl Hitlers.)
Den ersten, die eintreffen, bietet sich ein Bild des Schreckens.


Von Körpern und Körperteilen junger Männer ist der Boden übersät. Das Schreien der herbeigelaufenen Frauen ist weithin zu hören und lässt auch die anderen Jungen herbeieilen.
Sofort wird das ganze Waldgebiet abgeriegelt. Fachkundige Hilfe kann erst spät vordringen.
Einige Verletzte werden noch mit Krankenwagen nach Greifswald gebracht. Doch am Ende haben 23 Jungen - 17 von ihnen wurden in Kirchdorf beigesetzt - den Tod gefunden. Am Nachmittag des 26. April war von der Führung geplant, diese Jungen nach Hanshagen vor Greifswald zu verlegen. Sie sollten dort die heranrollenden Russen aufhalten.


Die hierfür bestellten Fuhrwerke der umliegenden Bauernhöfe transportierten nun die Leichen und Leichenteile der Jungen in die streng bewachte Kirchdorfer Kirche.
Vier Tage später wird Greifswald kampflos übergeben.


Was die Schule in Jeeser betrifft, so wurde im Jahre 1767 ein Schulmeister angestellt. Er bezog einem im Jahre 1726 erbauten und 1803 erweiterten Katen, der aber 1862 schon baufällig war. Das jährliche Einkommen des Lehrers betrug, außer freier Wohnung in diesem Schulkaten und der Benutzung des dazu gehörigen Gartens, 88 Thaler und 6 Silbergroschen, neben einigen Naturalleistungen der Pächter. Im Jahre 1846 wurde von den Pächtern in Jeeser ein Armenkaten erbaut und in der Folge auch baulich in Stand gehalten.Er wurde zur Wohnung für die Armen des Ortes und zur Unterkunft für die fremden Torfstecher in Jeeser bestimmt.Die Fischerei im See wurde dem Pächter der Parzelle, in der der See gelegen ist, gestattet. Der Greifswalder Magistrat behielt sich aber die Mitfischerei vor.Um den See, den „Grot- un Lütt- Saalsbrauk", haben sich zwei Sagen gebildet. Dort soll in alten Zeiten ein großes Kirchdorf wegen des gottlosen Lebenswandels seiner Einwohner versunken sein.

 

Eine von den beiden Kirchenglocken ist einmal am Johannistag aufgetaucht und von einem Gänsehirten gebrannt worden. Sie hängt jetzt im Horster Kirchturm. Sodann ist einmal in der Erntezeit ein fremder Knecht bei dem Bauern, auf dessen Feldmark der See liegt, im Dienste getreten, der sich durch Kraft und Fleiß auszeichnete, aber ein Liebesverhältnis mit der schönen Tochter des Bauern anknüpfte. Der Knecht diente dem Bauern zwei Jahre lang treu, ohne Lohn zu fordern. Der Bauer hatte nicht gegen das Liebesverhältnis und eine spätere Heirat des tüchtigen Knechtes mit seiner Tochter einzuwenden, da er sich keinen besseren Schwiegersohn wünschen konnte. Er wusste aber so gar nichts von dessen sonstigen Lebens- und Familienverhältnissen.

Als der Knecht eines Tages dicht am See arbeitete, tauchte ein prächtiger schwarzer Hengst aus dem See empor, der sich vom Knecht willig eingefangen und zur Hofstelle bringen ließ. Der Bauer war erfreut über den Zuwachs, verlangte aber nun endlich, mit dem Knecht abzurechnen. Da sagte der Knecht, er wolle zum Lohn nur den alten Erbdegen haben, der auf dem Boden des Bauernhauses im Dachgebälk steckte. Von diesem wusste der Bauer nichts, sagte ihn aber dem Knecht zu, außerdem aber bot er dem Knecht die Hochzeit mit seiner Tochter an.

 

Darüber ward der Knecht traurig und sagte, der Bauer möge mitkommen. Der Knecht nahm den Erbdegen, holte den Hengst aus dem Stall und ging mit ihm und dem Bauern zum See. Dort bestieg der Knecht den Hengst und fragte zum Bauern, er werde jetzt mit dem Erbdegen bewaffnet in den See reiten, wenn das Wasser des Sees klar bleibe, käme er wieder, und alles wäre gut, verändere sich aber das Wasser, so käme er nicht wieder und sei ewig verloren. Darauf trug er dem Bauern noch einen letzten Gruß an die Tochter auf und sprengte in den See, wo Ross und Reiter sofort verschwanden.Nach kurzer Zeit brauste das Wasser auf und färbte sich blutrot und schauerliche Stöhnen wurde hörbar. Da packte den Bauern das Grauen, er eilte nach Hause, ward krank und starb nach drei Tagen, und ein Jahr später an demselben Tage, da der Knecht in des Bauern Dienste getreten war, starb auch die Tochter, und bei ihrem Begräbnis hörte man aus dem Saalsbrauk das dumpfe Läuten der versunkenen Glocke.