Landkreis Vorpommern-Rügen

 
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Tierseuchenrechtliche Allgemeinverfügung Nr. 2 / 2023 zur Festlegung einer Schutz- und Überwachungszone

Tierseuchenrechtliche Allgemeinverfügung Nr. 2 / 2023
zur Festlegung einer Schutz- und Überwachungszone
wegen des Ausbruchs der hochpathogenen Aviären Influenza (Geflügelpest, HPAI)


Auf der Grundlage der Art. 60 bis 71 der VO (EU) 2016/429 i. V. m. Art. 11 bis 67 der VO (EU)
2020/687 i. V. m. $ 18 bis 33 der GeflPestSchV werden nachstehende Maßnahmen bekannt
gegeben und verfügt:


1. In einem Hausgeflügelbestand in der Gemeinde Levenhagen im Landkreis VorpommernGreifswald
wurde der Ausbruch der Geflügelpest (Hochpathogene Aviäre Influenza, HPAI)
amtlich festgestellt und öffentlich bekannt gemacht. Von der um den Ausbruchsbestand zu
bildenden Überwachungszone (ehern. Beobachtungsgebiet) mit einem Radius von mindestens
10 km ist der Landkreis Vorpommern-Rügen betroffen.


2. Das folgende Gebiet wird als Überwachungszone festgelegt:
- von der Gemeinde Süderholz die Ortsteile: Behnkenhagen, Griebenow, Groß
Bisdorf, Klein Bisdorf, Kreutzmannshagen, Lüssow, Neuendorf, Willershusen,
Zarnewanz
- von der Gemeinde Sundhagen die Ortsteile: Gerdeswalde, Horst, Jager, Kirchdorf,
Segebadenhau, Wendorf


3. Anzuordnende Maßnahmen für die Überwachungszone (ehemals Beobachtungsgebiet):
3.1. Aufstallungspflicht: Geflügel (Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane,
Laufvögel, Wachteln, Enten, Gänse) ist ab sofort aufzustallen und darf nur entweder
A: in geschlossenen Ställen oder
B: unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge
gesicherten dichten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringengen von Wildvögeln
gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss (Schutzvorrichtung) gehalten
werden.
3.2. Anzeigepflicht: Halter von Geflügel haben unverzüglich die Anzahl der gehaltenen
Vögel unter Angabe ihrer Nutzungsart und ihres Standortes und der verendeten gehaltenen
Vögel sowie jede Änderung anzuzeigen.
3.3. Eigenüberwachung: Tierhaltende Betriebe haben eine Überwachung im Betrieb
durchzuführen, indem die gehaltenen Vögel einmal am Tag auf klinische Veränderungen
zu überprüfen sind (gesteigerte Todesrate, verringerte Beweglichkeit der Tiere,
signifikanter Anstieg oder Rückgang der Produktionsdaten o. ä.). Jede erkennbare Anderung
ist dem Veterinäramt unverzüglich telefonisch oder per E-Mail unter FD34@lkvr.
de mitzuteilen.

3.4. Veranstaltungen: Die Durchführung von Geflügelausstellungen, Geflügelmärkten oder
Veranstaltungen ähnlicher Art ist verboten.
3.5. Freilassen von Vögeln: Gehaltene Vögel zur Aufstockung des Wildvogelbestands dürfen
nicht freigelassen werden.
3.6. Biosicherheit: Tierhalter haben zum Schutz vor biologischen Gefahren sicherzustellen,
dass jegliche Personen, die mit den gehaltenen Vögeln im Betrieb in Berührung
kommen oder den Betrieb betreten oder verlassen, Hygienemaßnahmen beachten.
Insbesondere gelten folgende Maßnahmen:
1. Die Ein- und Ausgänge zu den Ställen oder die sonstigen Standorte des Geflügels sind
gegen unbefugten Zutritt oder unbefugtes Befahren zu sichern.
2. Die Ställe und sonstigen Standorte dürfen von betriebsfremden Personen nur mit betriebseigener
Schutzkleidung oder Einwegschutzkleidung betreten werden. Diese ist
nach dem Verlassen abzulegen und bei Mehrwegschutzkleidung regelmäßig bei
mind. 60 ° C zu waschen, Einwegschutzkleidung ist nach Gebrauch unschädlich in einer
vor unbefugtem Zugriff geschützten Restmülltonne zu entsorgen.
3. Schutzkleidung von Betriebsangehörigen ist ebenfalls nach Gebrauch unverzüglich zu
reinigen und zu desinfizieren bzw. Einwegschutzkleidung nach Gebrauch unverzüglich
unschädlich zu beseitigen. Es ist eine strikte Trennung von Straßen- und Stallkleidung
einzuhalten.
4. Das im Geflügelbereich genutzte Schuhwerk hat in den Stallungen zu verbleiben oder
ist beim Betreten und Verlassen der Stallungen zu reinigen und zu desinfizieren.
5. Nach jeder Einstallung oder Ausstallung von Geflügel sind die dazu eingesetzten Gerätschaften
und der Verladeplatz zu reinigen und zu desinfizieren und nach jeder
Ausstallung sind die frei gewordenen Ställe einschließlich der dort vorhandenen Einrichtungen
und Gegenstände zu reinigen und zu desinfizieren.
6. Betriebseigene Fahrzeuge sind abweichend von S 17 Abs. 1 der Viehverkehrsverordnung
unmittelbar nach Abschluss eines Geflügeltransports auf einem befestigten
Platz zu reinigen und zu desinfizieren.•
7. Fahrzeuge, Maschinen und sonstige Gerätschaften, die in der Geflügelhaltung eingesetzt
und in mehreren Ställen oder von mehreren Betrieben gemeinsam benutzt
werden, sind jeweils vor der Benutzung in einem anderen Stall bzw. bei Benutzung
in mehreren Betrieben im abgebenden Betrieb vor der Abgabe zu reinigen und zu
desinfizieren.
8. Räume, Behälter oder sonstige Einrichtungen zur Aufbewahrung verendeten Geflügels
sind nach jeder Abholung, mindestens jedoch einmal im Monat, zu reinigen und
zu desinfizieren.
9. Eine betriebsbereite Einrichtung zum Waschen der Hände sowie eine Einrichtung
zum Wechseln und Ablegen der Kleidung und zur Desinfektion der Schuhe sind vorzuhalten.
3.7. Schadnagerbekämpfung: Tierhalter und Tierhaltende Betriebe haben Maßnahmen zur
Bekämpfung von Insekten und Nagetieren sowie anderer Seuchenvektoren im Betrieb und um den Betrieb herum ordnungsgemäß anzuwenden und hierüber Aufzeichnungen
zu führen.

3.8. Tierkörperbeseitigung: Tierhaltende Betriebe haben ganze Tierkörper und Teile von
toten oder getöteten gehaltenen Vögeln als Material der Kategorie 2 nach den Vorgaben
der VO (EU) 1069/2009 über die Tierkörperbeseitigungsanstalt „SecAnim GmbH
Malchin", An der Landwehr, 17139 Malchin ordnungsgemäß beseitigen zu lassen. Der
Raum, der Behälter oder die sonstigen Einrichtungen zur Aufbewahrung verendeten
Geflügels sind bei Bedarf, mindestens jedoch einmal im Monat, zu reinigen und zu
desinfizieren.
3.9. Verbringungsverbot: Es ist untersagt, gehaltene Vögel, Geflügel, daraus hergestellte
Erzeugnisse und kontaminierte sonstige Materialien aus der bzw. in die Uberwa- '
chungszone zu verbringen.
Ausgenommen hiervon sind:
Erzeugnisse tierischen Ursprungs, die als sichere Waren gelten. Als sicher gelten
die Waren nach Anhang VII der VO (EU) 2020/687; das sind insbesondere Fleisch
und Milch, die in bestimmter Weise behandelt wurden
Erzeugnisse tierischen Ursprungs, die der einer Behandlung nach Anhang VII der VO
(EU) 2020/687 unterzogen wurden, das sind bestimmte Wärmebehandlungsverfahren
Erzeugnisse oder sonstige seuchenrelevante Materialien, die vor Beginn der Seuche,
d. h. vor dem 03.01.2023 gewonnen oder erzeugt wurden
Erzeugnisse, die in der Schutzzone hergestellt wurden und von Vögeln gewonnen
wurden, die außerhalb der Schutzzone gehalten wurden
Folgeprodukte dieser aufgezählten Erzeugnisse.
Für Verbringungen, die nicht kraft Gesetzes von den o. a. Verboten ausgenommen
sind, kann im Einzelfall auf. Antrag eine behördliche Ausnahmegenehmigung in Betracht
-kommen, die vorher einzuholen ist.


4. Ausnahmen: Die Genehmigung von Ausnahmen ist beim Fachdienst Veterinärwesen und
Verbraucherschutz des Landkreises Vorpommern-Rügen schriftlich zu beantragen.


5. Anordnung der sofortigen Vollziehung: Für die in Nr. 1 bis 4. benannten Anordnungen
wird die sofortige Vollziehung gemäߧ 37 Tiergesundheitsgesetz angeordnet.


6. Inkrafttreten und Befristung: Die Allgemeinverfügung tritt am Tag nach ihrer Bekanntmachung
in Kraft und gilt bis zu ihrer Aufhebung. Sie wird online gestellt und somit verkündet
am 16.01.2023.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Sundhagen
Mo, 16. Januar 2023

Aktuelle Infos

Veranstaltungen

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